Über das Kartenlegen

 

Als Illustratorin vieler Kartensets wurde ich oft gefragt, wie das mit dem Kartenlegen eigentlich geht. Ich habe dann Workshops mit dem Anliegen gemacht, an das Ziehen und Deuten von Karten heranzuführen. Dabei habe ich keine Karten für andere gedeutet, weil es mir wichtig war aufzuzeigen, dass wir alle die verborgene individuelle Bedeutung einer zufällig gezogenen Karte auch selbst aufspüren können und dabei tiefe Selbsterkenntnis erfahren.

Grundlegendes zum Karten legen

Dem Kartenlegen liegt die grundlegende Weltsicht zugrunde, dass es keine beliebigen Zufälle gibt, sondern dass mir eine bestimmte Karte zu einem bestimmten Zeitpunkt sinnhaft zufällt. Alles, was uns umgibt und begegnet, kann als sinnhaft gedeutet werden, da alles in einem großen sinnhaften Ganzen eingebettet ist. So ist zum Beispiel die astrologische Konstellation zum Zeitpunkt der Geburt eines Menschen Spiegel seines irdischen Seins oder Transite Ausdruck der momentanen Zeitqualität mit ihren Ereignissen, Chancen und Herausforderungen.

So können auch Karten als Spiegel der momentanen Situation betrachtet werden, in der sie gezogen werden. In dem Moment, in dem ich eine Karte ziehe, sagt sie mir etwas über mich, wie ich mich in einer bestimmten Situation befinde. Sie ist wie eine selbst gewählte Projektion, so wie ein Mensch, der mir begegnet, auch nicht beliebig zufällig vorbei kommt oder gerade anruft, sondern mir eine Erfahrung schenkt, die mir etwas über mich selbst lehrt. Jede Erfahrung ist eine Gelegenheit etwas zu erkennen und bewusster zu werden.

Wie gehe ich vor beim Kartenlegen?

Es gibt mehrere Varianten Karten zu legen. Die einfachste ist eine Karte intuitiv aus einem gesamten Deck zu ziehen und darüber zu reflektieren. Es gibt auch Legesysteme mit mehreren Karten, die in den Begleitbüchern beschrieben werden.
Man kann Karten ohne Anlass ziehen oder aber eine Frage stellen oder ein Anliegen formulieren, dass aber möglichst klar sein sollte und nicht zu komplex oder mit Alternativen gefüllt.
Am besten ist es sich für eine neue Legung über das Anliegen klar zu werden (möchte ich einfach schauen, was mir in den Karten begegnet oder habe ich ein bestimmtes Anliegen?), sich geistig zu öffnen, die Karten erst zu mischen und dann intuitiv zu ziehen. Entweder aus dem ganzen Stapel oder aus dem ausgebreiteten Fächer. Es wird empfohlen mit der linken Hand zu ziehen, die dem Herzen näher ist.

Wenn man gerade sehr aufgewühlt von einem Thema ist, ist es meiner Erfahrung nach sehr ratsam sich vor dem Aufdecken der Karten in einen emotional ausgeglichenen Zustand zu bringen, denn sonst ist die Wahrnehmung der Karten stark vom Hoffen und Befürchten überdeckt und spiegelt nur die Ängste und Wünsche wider ohne dass man Erkenntnisse aus dem Inneren beim Betrachten der Karte bemerkt. Am besten man stimmt sich auf die Bereitschaft ein die innere Wahrheit in den Karten zu sehen und lässt innerlich alle Erwartungen los. Erwartungen haben wir natürlich, aber die können wir dann bewusster wahrnehmen, wenn wir die Karten anschauen, und sie gehören ja zur Antwort dazu, die wir suchen.

Es ist durchaus vergleichbar mit dem Blick auf die Transite bei einem emotional bedeutsamen Tag, wenn wir aufgewühlt sind, denn auch hier sind wir vielleicht versucht, in einem Plutotransit oder Venustransit im Aspekt zu einem unserer persönlichen Planeten entweder nur das Beste oder Schlechteste zu sehen und es fällt uns schwer, differenziert und ganzheitlich zu deuten, so dass wir die tatsächliche Energie mit ihren Chancen und Herausforderungen erfassen können.

Wenn wir nun eine Karte ziehen und sie anschauen, empfehle ich möglichst mit freischwebender Aufmerksamkeit auf alle inneren Reaktionen zu achten: Welche Gedanken tauchen auf? Welche Emotionen und Gefühle? Gibt es Wahrnehmungen korperlicher Reaktionen?
Dann gilt es das Bild und gegebenenfalls den Titel der Karte genauer anzuschauen und sich die Frage zu stellen, was die Karte mit einem selbst und das Anliegen zu tun haben könnte. Dabei gibt es einen Spielraum, innerhalb dessen viele Deutungen möglich sind und sich dann aber bestimmte aufdrängen oder heraus kristallisieren. Erst dann wurde ich empfehlen, das Begleitbuch mit dem Text heran zu ziehen, denn die Ebene der Worte bezieht eine zusätzliche Ebene mit ein, die mehr den Verstand als die Intuition anspricht und die auf andere Weise reflektiert werden sollte. Auch hier gilt es sich nicht zu sehr auf die vermeintlich offensichtliche Botschaft festzulegen, sondern sich innerlich frei und wahrhaftig zu fragen, inwiefern der Text die eigene Situation oder das eigene Anliegen begrifft.

Gerade herausfordernde Karten brauchen Raum und die Bereitschaft die innere Wahrheit wahrzunehmen, denn ihr Sinn ist ja nicht Schuldgefühle zu wecken, sondern Annahme, Selbsterkenntnis und heilsame Transformation anzustoßen.

Arten von Kartensets

Es gibt sehr viele unterschiedliche Arten von Kartensets, aber sie gleichen sich in dem Prinzip, dass es seinen Grund hat, dass in einem bestimmten Moment eine bestimmte Karte gezogen wird.

  • Es gibt beispielsweise das altüberlieferte Tarot, das einen bestimmte Aufbau und grundlegende Inhalte mit archetypischen Symbolen hat, die sich in unzähligen Gestaltungen unterscheiden (Crowley Tarot, Rider Waite, Elfen Tarot, Drachen Tarot, usw.). Sie dienen der Reflektion und Prognose und eignen sich auch für tiefergehende Fragen.
  • Dann gibt es altüberlieferte Lenormand oder Kipper Karten in unterschiedlichen Gestaltungen, die oft zur Beantwortung ganz konkreter Fragen, zur Prognose oder zur Bestimmung der Tagesenergie herangezogen werden.
  • Es gibt Engelkarten, Göttinnenkarten und weitere ähnliche, die im Vergleich zu anderen Kartensets meistens positive, bestärkende oder beruhigende Affirmationen enthalten.
  • Es gibt praxisorientierte Kartensets, die durch das bewusste oder intuitive Ziehen einer Karte helfen, eine Yogaübung, ein Mudra, oder eine Räuchermischung oder schamanische Übung zu finden, die im Moment stimmig, wohltuend und heilsam ist. Auch sie enthalten meist keine herausfordernde negativen Themen und geben konkrete Anleitung.
  • Und es gibt Karten wie die von Chuck Spezzano, die auf spiritueller und psychologischer Ebene für tiefergehende und grundlegendere Fragen gedacht sind. Sie spiegeln elementare Lebensthemen wider und sind aufgeteilt in dunkle und lichtvolle Wege. Sie unterscheiden thematisch sich im Blickwinkel auf diese grundlegenden Lebensthemen hinsichtlich Lebensgeschichten, Beziehungen, Archetypen und Schatten, Heilung und Glück.

Auf dem Foto sind alle die von mir illustrierten Kartensets zu sehen, aus denen alle im Workshop zum Kartenlegen ziehen durften (24.9.2024 Jubiläum von BiggYoga in Hünstetten)

 

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Alle meine illustrierten Kartensets beim Workshop am Jubiläumstag von BiggYoga, August 2024